Fasnetvergraben in Boll
Zigeunerhochzeit in Boll - 1

Informationen und Texte sind dem Buch “Eine NÄRRISCHE Familie - Narrenfreundschaftsring Zollern-Alb” (2003) entnommen.

Hasentanz beim Aufstellen des Narrenbaums in der Dorfmitte.

Narrhalla Boll seit 1981
Der Verein besteht aus dem Narrenrat und den Hästrägern: Hasawedel, Jäger und Treiber.
Ruf: Hasa - Wedel
Das Brauchtum der Fasnet in Boll lässt sich bis 1884 belegen. In dieser Zeit wurden die ersten Narrenspiele aufgeführt. Unter dem Namen “Narrhalla Boll” wurden Fasnetsaktivitäten zu jeder Zeit in Boll durchgeführt und bis zum heutigen Tage gepflegt. Als wohl einzigartige Brauchtumsvorführung kann das Fasnetsvergraben angesehen werden, das am Aschermittwoch aufgeführt wird. Diese Darbietung wird seit 1930 gepflegt. 1981 wurde die Narhalla Boll als eingetragener Verein neu gegründet. Neben der “Saalfasnet” wird seit einigen Jahren der “Straßenfasnet” wieder größeres Gewicht eingeräumt. Hierzu zählen heute Veranstaltungen wie das Narrenbaumsetzen, die Hasentaufe sowie die “Zigeunerhochzeit”, die allerdings nur alle vier Jahre stattfindet. Abgeschlossen wird die Fasnet in Boll mit dem traditionellen
Fasnetvergraben am Aschermittwoch.

Narrhalla - Narrenrat

Bollemer Hasenwedel

Hasawedel - Den Übernamen der Bollemer, “Hasawedel”, nahm der Narrenverein zum Motto einer Maskengruppe aus Hasawedel, Jäger und Treiber. Das Häs und die Maske der Hasawedel sind in den braun melierten Farbtönen eines Feldhasen gehalten. Auf der Brust haben sie das alte Bollemer Wappen, über Brust und Schulter tragen sie ein Narrengeschell und in der Hand halten sie eine Mohrrübe. Ein Hasawedel schmückt das Hinterteil der Jacke. Seit der Neugründung der Maskengruppe 1983 wird jeweils beim Narrenbaumsetzen in der Dorfmitte beim Brunnen das Hasenspiel aufgeführt, in dem die Sage des Bollemer Hasawedels nachgestellt wird. Hierbei werden die Hasen von Treibern in die Dorfmitte getrieben und ein Hase wird von einem Jäger durch einen Schuß erlegt.

Hasendengedenkstein, 1990

Im Jahre 1990 wurde zwischen Boll und Stetten auf der Grenze ein Gedenkstein errichtet, auf dem ein Hase dargestellt ist, von dem nur de Wedel auf der Gemarkung von Boll liegt. Bei der Einweihung des Grenzsteins wurde das Hasenspiel zusammen mit der Narrenzunft Stetten aufgeführt, wobei hier Treiber und Jäger aus beiden Gemeinden mitgewirkt haben. Um dem Spiel ein einheitliches Bild zu geben, wurde die Hasengruppe mit den Narrenfiguren “Jäger” und “Treiber” ergänzt.

Die Sage des Hasawedels
Es soll sich bei einer Treibjagd von Bollemer und Stettener Jägern zugetragen haben, dass bei der ganzen Jagd nur ein Hase geschossen wurde, um dessen Eigentum es dann sehr viel Streit gab. Denn er lag genau auf der Gemarkungsgrenze und man wußte nicht, gehört er “rom” oder “nom”. Deshalb wurde von neutraler Stelle die Germarkungsgrenze vermessen und festgestellt: “Wir fanden’s nicht toll, aber der Has lag in Stetten, der Wedel in Boll.” Seit dieser Zeit werden die Bollemer “Hasawedel” genannt.

Jäger - Der Jäger stellt eine Figur des oberen Standes dar. Es gibt nur zwei Figuren des Jägers: ein Bollemer Jäger mit einem traurigen Gesichtsausdruck und den Stettener Jäger mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht. Die Kleidung besteht aus einem Lodenmantel, der ohne Arme gearbeitet ist. Die Hose ist wie der Umhang aus Loden gefertigt und farblich darauf abgestimmt. Den Kopf ziert ein üblicher Jägerhut, in der Hand trägt der Jäger sein Jagdgewehr.

Treiber - Das Häs und die Maske des Treibers stellen einen einfachen Bauernburschen dar. Die Gesichtszüge der Maske sind so geschnitten, dass der Mund zu einem Schrei geformt ist. Als Kopfbedeckung dient ein origineller Schlapphut und in der Hand hält er eine Klappe oder Rätsche, mit der er das Wild aufschreckt.

Der Musikverein Boll begleitet die Narrhalla bei ihren Umzügen.

Die Zigeunerhochzeit ist eines der wenigen Narrenspiele, die aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg stammen. Es wird alle vier Jahre am Fasnetsonntag im Dorf aufgeführt.  Zwei Zigeunersippen, die Roten und die Blauen, sammelten früher für einHochzeitsfest bei den Bewohnern von Boll Fleisch und Kraut. Dies wird bis heute so im Narrenspiel, das alle vier Jahre stattfindet,  praktiziert, nur wurden die sammelgaben durch Geld ersetzt. Vormittags zum Sammeln treten die Zigeuner noch armselig gekleidet auf, um die Spendierfreudigkeit der Leute zu erhöhen. Danach erscheinen sie festlich gekleidet zum großen Hochzeitsfest. Die beiden Sippen führen die Braut bzw. den Bräutigam zur Dorfmitte, wo es eine lustige Hochzeit mit vielen heiteren Sprüchen und Einlagen abgehalten wird. In einem großen bunten Hochzeitszug geht danach die Festgesellschaft zur Hochzeitsfeier in die Festhalle (früher Gasthäuser). Mehr Bilder.

Der Kinderball der Narrhalla findet am Fasnetsonntag statt. Neben musikalischer Unterhaltung, Aufführungen Bollemer Kinder und einem Ballonflugwettbewerb gibt es als Höhepunkt den sogenannten Hasensprung. Im Rahmen einer Polonaise übersteigen die Kinder einen Hocker. Wenn die Musik stoppt, hat das Kind, das gerade auf dem Hocker steht, einen lebendigen “Bollemer Hasa” gewonnen und darf ihn gleich mitnehmen.

“Bollemer Lompa send mir”
am Lompa-Montag

Saalfasnet - Fasnetsball der Narhalla am 22. Februar 2003

der Hasentanz zum Auftakt des Programms

Finale mit allen Darstellern

Sketch- und Gesangsdarbietung

die Schnorchelhuaschter “heizen” ein

Bilder vom traditionelles Fasnetvergraben in Boll am Aschermittwoch
Bilder von der Zigeunerhochzeit