Heimatmuseum Bisingen
Ausstellung:
“Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung”
Das Konzentrationslager in Bisingen und der Ölschieferabbau während des 2. Weltkrieges”.
Die Ausstellung wurde 2006 zum 10-jährigen Bestehen neu gestaltet. Die Museumsbilder auf dieser Seite stammen aus der Zeit davor. Seit 2003 gibt es den eingetragenen Verein “Gedenkstätten KZ-Bisingen”.

Auf Anfrage sind Führungen durch die Ausstellung und durch den Geschichtslehrpfad möglich.

Weitere Informationen finden sie auf
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http://kzgedenkstaettenbisingen.wordpress.com
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http://daskzbisingen.wordpress.com

Alle Informationen und Texte zum Thema KZ Bisingen und “Unternehmen Wüste” wurden aus der Ausstellung und folgender Literatur entnommen: klicke hier

Wer hier in der Gegend wohnt, weiß zumindest auf Grund der Ausschilderung des KZ-Friedhofes an der B27-Ausfahrt Bisingen, daß es ein Konzentrationslager in der Nähe gegeben hat. Doch wer weiß schon das Unglaubliche und Schreckliche, dass, obwohl das KZ nur 234 Tage bestanden hat und “nur” ein Arbeitslager war, hier mindestens 1187 Gefange umgekommen sind. Sie starben an Folter, Krankheiten und körperlicher Schwäche, sie wurden ermordet, auf “der Flucht” erschossen, sie hungerten, froren und schufteten bei eisiger Kälte und im strömenden Regen.
Neben der Ölgewinnung aus dem Schieferabbau war “Vernichtung durch Arbeit” das Ziel der Nazi-Schergen.

Seit November 1996 gibt diese Ausstellung, die 2006 zum 10-jährigen Besten völlig neu gestaltet wurde. Auch wenn viele, vor allem Menschen, die damals in Bisingen und den Nachbargemeinden gelebt haben, nicht daran erinnert werden wollen, dürfen die nachfolgenden Generationen dieses Konzentrationslager nicht vergessen. Es ist sehr lobenswert, dass die Gemeinde Bisingen, trotz der “Schwierigkeiten des Erinnerns”, diese zum Nachdenken anregende Ausstellung und den Geschichtslehrpfad zum ehemaligen KZ-Gelände, Schieferabbau und Massengrab und zum heutigen KZ-Friedhof eingerichtet hat.

Ausstellungsraum im Erdgeschoß

Das KZ Bisingen wurde 1944 im August errichtet, um für das “Unternehmen Wüste” den hier anstehenden Posidonienschiefer (Schwarzjura, Lias epsilon) abzubauen, aus dem Öl bzw. kriegswichtiger Treibstoff gewonnen werden sollte. Etwa 4150 Männer, darunter etwa 1550 Juden, wurden nach Bisingen verschleppt. Die durchschnittliche Belegungsstärke war ca. 1500 Mann.

 Zwischen Tübingen und Rottweil sollten bis Oktober 1944 zehn solcher “ Produktionsstätten eingerichtet werden. Doch bis Kriegsende 1945 konnten nur fünf Schieferabbaustätten ihre Arbeit aufnehmen. Für die Arbeitskräfte wuden sieben Konzentrationslager eingerichtet: Bisingen, Dautmergen, Dormettingen, Erzingen, Frommern, Schömberg und Schörzingen.

Ein Opfer: Stannislaw Sagan
Informationen über die Opfer

Sträflingsanzug

Das KZ Bisingen war ein Außenkommando des KZ- Stammlagers Natzweiler Struthof im Elsaß und wurde von der SS bewacht und verwaltet. Natzweiler liegt etwa 50 km südwestlich von Straßburg in den Vogesen. Struthof war ehemals ein Bauernhof am Rande des Ortes. Die SS verlieh die Gefangenen gegen Bezahlung als Arbeitskräfte an die Firmen, die für das “Unternehmen Wüste” den Schieferabbau und die Ölgewinnung zu organisieren hatten (z. Bsp. Deutsche Bergwerks- und Hütten-Gesellschaft). Die SS kassierte pro Häftling und Arbeitstag zwischen 4 und 6 Reichsmark. Gefangene wurden auch in Bisingen zu Arbeitseinsätzen herangezogen, so halfen sie z. Bsp. bei den Aufräumungsarbeiten nach einem Bombenangriff der Alliierten oder wurden an die Keller’sche Shuhfabrik “ausgeliehen”.

Im ersten Stock
Bilder vom Massengrab,
hier wurden 1158 Tote gefunden, die 1947 auf einen neu angelegten KZ-Friedhof umgebettet wurden.

Bilder vom
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Massengrab
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KZ-Friedhof
 

Im Erdgeschoß und im ersten Stock
Die Täter

Mehr Informationen

 

Von Häftlingen geschnitzte Spielzeuge
- manche wurden gegen Lebensmittel eingetauscht.
 

Im 2. Stockwerk befinden sich eine Darstellung von Bisingen während der Nazi-Herrschaft, unter anderem die Bombardierung am 9. 12. 1944 durch die Alliierten. Für die Aufräumarbeiten wurden auch Häftlinge eingesetzt.

Aufmarsch der SA
in Bisingen
aus der Broschüre
Das KZ Bisingen
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Inhaltsangabe und weitere Literatur
 

Was wußten und taten die Bisinger?
Das KZ-Lager war nur 150 m außerhalb der Ortschaft, Häftlingstransporte kamen mit der Bahn an und marschierten in Kolonnen ins Lager, Häftlinge wurden im Dorf zu Arbeiten eingesetzt, und das Kuhloch mit dem Schieferabbau war vom Ort nur wenige 100 m entfernt. Bisinger, aber auch Arbeiter aus umliegenden Dörfern, haben für die zivilen Firmen, die den Ölschielferabbau betrieben, gearbeitet. Sicherlich gab es Nazis, die mit dem KZ einverstanden waren, andere verschlossen Augen und Ohren, aber durch Häftlingsaussagen nach dem Kriege ist auch belegt, daß es Bisinger gab, die Mitleid und Hilfsbereitschaft gezeigt haben. So weiß man zum Beispiel, daß Häftlingen heimlich Nahrungsmittel zugesteckt wurde, was mit Sicherheit nicht nur für die Häftlinge gefährlich war. Kurz vor Kriegsende ließ der damalige Bisinger Bürgermeister Hugo Maier alle Unterlagen über das KZ Bisingen vernichten, darunter die Namenslisten der toten Häftlinge, die in der Standesamtsregistratur im Rathaus aufbewahrt worden waren.

Prospekt und Wanderkarte zum Geschichtslehrpfad - klicke hier

Der Geschichtslehrpfad ist eine wichtige Ergänzung zu dieser Ausstellung im Heimatmuseum An den authentischen Orten kann die Geschichte des KZ Bisingen nachvollzogen werden. Auf vielen Text-Bild-Tafeln werden Informationen zum jeweiligen Ort geliefert. Der Geschichtslehrpfad führt vom Museum zum ehemaligen Lagergelände in der Schelmengasse, zum Ölschieferabbaugebiet im Kuhloch, zum heutigen KZ-Friedhof und zum Massengrab, das 1946 geöffnet worden ist. Der Lehrpfad muß nicht in dieser Reihenfolge begangen werden. Ein Einstieg ist an jedem Ort möglich.